Autor Thema: Beispiel: realer Tiger Einsatz  (Gelesen 2898 mal)

Bambini Uno

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Beispiel: realer Tiger Einsatz
« am: 5. Mai 2008 12:19 »
Hallo Zusammen!
Hier mal ein Beispiel eines Tiger-Siwa Einsatzes von einem Tigerpiloten den ich kenne!
Es geht darum zu veranschaulichen wieviel/wenig gefunkt wird!


Einem Einsatz geht ein ausführliches Briefing voraus, bei dem mehrere mögliche Szenarien und Taktiken vorbereitet
werden, wenn immer möglich nimmt der GCI (Ground Control Interceptor, früher JLOF= Jägerleitoffizier) daran teil.
Dadurch wissen alle Verbandsmitglieder weitgehend, was in welcher Situation zu tun ist, man will damit (unter
anderem) den Funkverkehr auf ein Minimum reduzieren.

Um nun mal z.B. von einem Zweierverband bei einem SIWA-Angriff auszugehen.

Als erstes nimmt man die taktische Formation ein, meistens ist das eine Linea/Colonna, d.h, man fliegt nebeneinander her in
einem Abstand von 2-3 km. Der Uno gibt dem GCI einen groben Überblick über das Wetter im Einsatzraum, das hat schon mal
einen grossen Einfluss auf das weitere Vorgehen. Sobald Florida den Gegner ausmacht, erhält man Informationen darüber,
sprich Anzahl, Höhe, Kurs und natürlich Position. Letztere kann geografisch oder rein relativ zur eigenen Position
definiert werden.
Für z.B. 2 Gegner 37° rechts vom eigenen Kurs, 25NM entfernt auf Kurs 170° in 22'000ft heisst das in Bambini  „DUE
DIABOLI, RERA TRE SETTE, STANZ 25, LIVELLO 220 AUF COSO 170“.
Quittiert wird nur mit "CAPITO".
Entscheidet der CAP (Chief Air Defense) also der Chef des GCI, dass deine Formation auf den Gegner angesetzt wird,
gibt der GCI den Angriffsbefehl, der lautet standardmässig „ORDINE ATTACCO SIWA, ATTACORSO 240, MONTARE 170“. Also Siwa-
Angriff mit initialem Angriffskurs 240°, Angriffshöhe FL 170 (Solange kein Eigenradarkontakt vorliegt, müssen 5000ft
Separationshöhe eingehalten werden.)
Weiterhin gibt der GCI Informationen für den Angriff wie oben, zusätzlich Anweisung darüber, auf welche Elevation das
Bordradar eingestellt werden soll; „ELEVA 7“ heisst 7° nach oben (oder unten, wenn sich der Leader für einen Angriff
von oben entschieden hat.
I.d.R. schaltet man bei 20NM das Radar ein, vorher bringt’s nicht viel.
Der GCI rapportiert weiter, gibt Kurskorrekturen usw bis der Leader Bordradarkontakt bekommt und das mit dem
Stichwort „OSTE“ meldet. Ab jetzt übernimmt der Jäger die Verantwortung für die Angriffsgeometrie. LockOn macht man
wenn möglich nicht, man verrät sich nur unnötig. Allfällige Kurskorrekturen kommen jetzt vom Leader, der GCI gibt nur
noch Info’s, wenn das Ziel Kurs oder Höhe ändert; aufgrund der synthetischen Darstellung durch das Florida sieht dieser
das viel schneller als der Tiger-Pilot.

Die Jäger-Formation sucht jetzt so schnell wie möglich Sichtkontakt; ist dieser erstellt, meldet man „KONTAKT“, ab
jetzt schweigt der GCI. In der Patrouille wird entschieden, wer den Waffeneinsatz macht (bei einem einzelnen Ziel);
entscheidend ist ganz einfach, wer aufgrund der Geometrie „schneller dran ist“. Der SIWA- Schuss wird einige Sekunden
vorher angeküdigt, also „Beat SIWA in 5“ Das nichtschiessende Element, Joker genannt, hält dem Schützen den Rücken frei
und meldet mit „PRESS“, dass sein Kollege nicht bedroht ist und sich auf den Schuss konzentrieren kann.
Der (fiktive) Schuss wird mit „ALPHA NOVE“  oder „FOX TWO“ am Funk gemeldet, im Ernsteinsatz sieht man das
natürlich.
Der GCI verfolgt die allgemeinen Luftlage, und meldet nach erfolgtem Schuss sofort ein Heading, auf dem sich die
Patrouille möglichst schnell absetzen kann. z.B. „SUBITO LILI; EXTEND AUF CORSO 200“.
Ist man unsicher, ob das Ziel getroffen ist und rechnet mit einem Angriff, desselben, gibt man in dieser Phase
Chaff+Flares, der Funkbefehl dazu heisst „PIOVE BENGALO“.


Ich finde es ein interessantes Beispiel wo eines speziell auffällt: je detaillierter die Vorbereitung, desto weniger Funk im Einsatz!
Zweitens, der Bambinicode wird immer noch praktiziert in einzelnen Teams!


Grüsse Beat  
Beat 'Bambini Uno' Schaffner
vSAF Ehrenmitglied